Ich bin süchtig oder ein achtsamer Umgang mit Medien

Nichts tun? Pause. Einfach nur vor sich hinschauen?

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Heute Morgen ging mir ein anderer unschöner Gedanke durch den Kopf. Als ich Kind war, litt ich unter Alleingelassenwerden und Vernachlässigung. Meine Eltern hatten damals noch kein Handy. Wie einsam hätte ich mich gefühlt, hätten sie auch noch den ganzen Tag ein solch verführerisches Gerät zur Verfügung gehabt? Dieses Verhalten bringt oft auch Vernachlässigung mit sich. Neulich im Restaurant: Zwei Frauen, mehrere Kinder, der 18 Monate alte Sohn saß wie festgeklebt auf seinem Stuhl, mit dem Handy vor der Nase, die Mutter fütterte ihn abwesend mit Brot.

Ich bin süchtig oder ein achtsamer Umgang mit Medien

Ich bin süchtig. Mein Mann auch. Die Kinder ohnehin. Immer wieder Thema in unserer Familie.
Neulich haben mein Mann und ich uns über unseren Medienkonsum unterhalten – ein immer wiederkehrendes Thema in unserer Familie, besonders im Umgang mit Kindern und Jugendlichen. Es ist stets ein Hin und Her. Wir sprachen über den Beitrag von Dr. Pauly, der bemängelte, dass Eltern und Kinder in seinem Wartezimmer mit einem Gerät vor der Nase sitzen, alle sehr vertieft und still.

Wir kennen das alle, und ich nehme mich da nicht aus. Ich lenke mich gerne ab, vertreibe mir die Zeit, überspiele Langeweile, kompensiere Frust und versuche abzuschalten.

Ich habe mittlerweile die super Ausrede, dass das Handy mein Arbeitsutensil ist. Und es stimmt auch: Das Handy ist klein, handlich und immer da. Es ersetzt mir oft den Computer; Anfragen, Kommentare und Anmeldungen erreichen mich sofort. Ich ertappe mich dabei, dass ich besonders in der Anmeldezeit für meine Kurse ganz wild darauf bin, schnell zu überprüfen, ob es ein Feedback oder einen potenziellen Teilnehmer gibt. Der Griff zum Handy erfolgt ganz automatisch, und manchmal auch sehr zeitnah. Ich bemerke das dann oft zu spät und bin genervt und unzufrieden. Es fällt mir schwer, mich auf eine Sache zu konzentrieren: einen Artikel zu schreiben, das Gespräch mit meiner Tochter, das Zwiebelschneiden. Wenn mir mein Verhalten dann bewusst wird, kommt oft der Kritiker: Lass das, schon wieder, du als Achtsamkeitslehrerin müsstest eigentlich …
Die innere Stimme macht mich natürlich darauf aufmerksam, und im Prinzip hat sie recht. Aber mal ganz ehrlich: Als Erstes tauchen da Scham und Selbstzweifel in mir auf. Es gibt die Metapher vom zweiten oder dritten Pfeil, den man auf sich selbst abschießt. Nicht hilfreich. In diesem Fall ist mein nicht sehr nährendes Verhalten der erste Pfeil, meine abwertende Reaktion darauf der zweite. Das kann man ewig so weiterspielen. Gott sei Dank kommt mir dann mein Bewusstsein zu Hilfe: Ich bin nicht allein damit, diese Geräte sind genauso konzipiert, dass wir dran kleben bleiben, gewissermaßen verwachsen sind mit unserem Handy.

Es gibt einen sehr interessanten Film zu diesem Thema: The Social Dilemma. Darin erklären die Macher dieser Apps, wie sie funktionieren und dass es dabei sicher nicht um Menschenfreundlichkeit und selbstloses Zur-Verfügung-Stellen von Verbundenheit und Wissen geht. Sondern darum, dass wir permanent getrackt werden, dass unsere Daten dauernd ausgewertet werden, damit sie ihr Produkt noch besser auf uns zuschneiden können. Wirklich interessant ist, dass dieser Dokumentarfilm von den Erfindern von X (ehemals Twitter), Gmail und Instagram gemacht wurde. Interessant ist auch, dass die Kinder dieser Menschen nie auch nur eine Minute Bildschirmzeit bekommen. Auf keinen Fall.

The Social Dilemma: “Never before have a handful of tech designers had such control over the way billions of us think, act, and live our lives.” (Filmtipp)

Ich würde gerne meine Kinder schützen, die nun im Gymnasium ihr Handy haben, um erreichbar zu sein. Das ist ja alles schön und gut, und ich möchte, dass sie integriert sind und sich mit Freunden austauschen können. Der bittere Nachgeschmack bleibt, und so mussten auch meine Kinder diese Doku mit uns anschauen – mit mittelmäßigem Erfolg. Mein Umgang damit? Gespräche, Aufklärung, manchmal auch Ärger und auch eine gewisse Hilflosigkeit. Ich bin ohne Handy aufgewachsen, aber meine Kinder kennen es schon immer.
Wie wirkt sich das aus? Darüber gibt es ganze Bücher. Die Konzentration nimmt ab. Durch die kurzen Posts fällt es schwer, länger bei einer Sache zu bleiben. Manche bekommen konstant Pushnachrichten (das macht mich ganz kirre) und sind durchgehend verfügbar. Sie sind einer sexualisierten Welt ausgesetzt und vergleichen sich konstant mit Stars, Sternchen und Influencerinnen. Ich sage nicht, dass alles schlecht ist, was meine Kinder sich anschauen. Sie interessieren sich auch für andere Themen: Naturschutz, Rezepte, psychologischen Beistand auf TikTok, der, Gott sei Dank, ganz brauchbare und vor allem für meine Tochter relevante Themen anspricht, die ihr zeigen, dass sie nicht allein ist.
Ist sie nicht! Letztens haben wir uns zusammen einige Artikel im Web angeschaut, weil sie selbst über ihre Bildschirmzeit erschrocken war. Bin ich handysüchtig?
Einige Fragen tauchten immer wieder auf:

Aufgrund meiner Smartphone-Nutzung erledige ich geplante Aufgaben nicht?
Aufgrund meiner Smartphone-Nutzung fällt es mir schwer, mich in der Schule oder bei der Arbeit zu konzentrieren?
Bei der Nutzung des Smartphones bekomme ich Schmerzen im Handgelenk oder Nacken?
Ich würde es nicht aushalten, kein Smartphone zu haben?
Wenn ich mein Smartphone nicht in der Hand habe, fühle ich mich unruhig und gereizt?
Ich schaue ständig auf mein Smartphone, um keine Neuigkeiten zu verpassen?
Ich benutze mein Smartphone länger, als ich es vorhabe?
Ganz ehrlich, ich denke, das kennen wir alle bis zu einem gewissen Grad.

Wie oft benutzen wir Handy und Co., um einen Moment Ruhe zu haben? Ein guter Babysitter. Was macht das mit unseren Kindern?

 

 

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Nathalie Krier

Über den Beitrag:
Zuletzt Bearbeitet: Dezember 2025
Veröffentlicht: 11. Dezember 2025
Lesedauer: 5 Minuten
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Über die Autorin des Minfulness - Blogs

MBSR-Trainerin Nathalie Krier

Hallo, ich bin Nathalie – MBSR-Lehrerin und Coach für achtsame, traumasensible Begleitung. Ich freue mich sehr, dass du meinen Blog gefunden hast. Hier teile ich Gedanken, Impulse und persönliche Erfahrungen rund um Achtsamkeit, Selbstfürsorge und innere Veränderungsprozesse. Mein Anliegen ist es, dich mit ehrlichen Worten, fachlichem Wissen und einem liebevollen Blick auf das Menschsein zu begleiten – als Inspiration, Einladung zum Innehalten und als Unterstützung auf deinem ganz eigenen Weg.

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