Traumatische Ereignisse können Unfälle sein, wie der Ertrinkungsunfall meiner Tochter, Gewalterfahrungen, Überfälle, Vergewaltigungen oder auch Katastrophen, sogenannte Monotraumata, Schocktraumata. Es gibt aber auch scheinbar alltägliche Situationen, die sich immer wieder wiederholen, auf den ersten Blick „nicht so schlimm“, die aber in der Wiederholung die Macht haben, tief zu traumatisieren. Toxischer Stress über einen längeren Zeitraum, ausgelöst durch andere Menschen, wirkt auf körperlicher und emotionaler Ebene. Bindungs- und Entwicklungstraumata sind komplexe Traumata. Viele Menschen wissen nicht, dass sie traumatisiert sind, weil sie das, was sie erlebt haben, für normal halten. Es gibt noch andere Arten von Traumata, z. B. kollektive transgenerationale Traumata, die viele von uns erlebt haben oder erleben (Kriege, Vertreibung, Sklaverei, Holocaust, alle Formen von Diskriminierung …). Nicht jede traumatische Erfahrung führt unweigerlich zu einer posttraumatischen Belastungsstörung.
Was ist eigentlich ein Trauma?
Ein traumatisches Erlebnis ist dadurch gekennzeichnet, dass es die Bewältigungs- und Verarbeitungsstrategien des Betroffenen übersteigt. Es hat eine solche Wucht und Intensität, dass der Betroffene davon überwältigt wird und Gefühle von Hilflosigkeit, Ohnmacht und Lebensbedrohung erfährt. Verena König.
Das Erste, was ich in meiner traumasensiblen Ausbildung gelernt habe, war, wie wichtig Sicherheit ist und dass ich mich als Kind nie sicher fühlen konnte. Keine leichte Erkenntnis. Entwicklungs- und Bindungstraumata sind bis heute nicht in das Diagnosemanual für psychische Erkrankungen aufgenommen worden. Das hat zur Folge, dass vielen Menschen mit frühen oder vorgeburtlichen Traumata immer noch nicht geholfen wird. Ich selbst habe Jahre gebraucht, um zu erkennen, dass ich traumatisiert bin. Ich habe oft gelesen, dass man doch nicht alles auf die Kindheit zurückführen kann, dass man sich nicht so haben soll und endlich nach vorn schauen soll. Das hat dazu geführt, dass ich mich jahrelang noch schlechter, noch unzulänglicher gefühlt habe. Alle anderen kommen klar, warum ich nicht?
Safety is the presence of connection.
Bessel van der Kolk
6 Monate nach dem Unfall meiner Tochter ging nichts mehr. Gott sei Dank hat meine damalige Therapeutin* erkannt, dass das traumatische Erlebnis, der Ertrinkungsunfall meiner Tochter, ein Monotrauma war, das alte Traumatisierungen in mir geweckt hat. Sie empfahl mir Verena König und riet mir, mich an eine Traumatherapeutin zu wenden. So ein Glück! Sie erkannte ihre Grenzen an und empfahl mir Verena. Noch heute bin ich ihr sehr dankbar. Das veränderte ALLES! Kurz darauf begann ich mit der Therapie. Schnell stellte sich heraus, dass das Erlebnis mit Lou zwar sehr belastend war, aber nicht die Ursache meiner Symptome, und so wandte ich mich wieder meiner Kindheit zu. Kein leichter Schritt. Aber erst in der Ausbildung bei Verena lernte ich, die Zusammenhänge klar zu sehen – ein manchmal anstrengender, aber sehr heilsamer Weg. Frühe Prägungen und Traumatisierungen wie Vernachlässigung, Beschämung, Mobbing, Abwertung oder narzisstische Gewalt wirken oft unbewusst in uns. Wir kennen es nicht anders und halten es für normal. Wir verstehen uns selbst nicht, haben keinen Zugang zu unseren Erinnerungen, über der Vergangenheit liegt ein Nebel, der uns von den Ereignissen und Gefühlen trennt. Wir schämen uns und fühlen uns einsam. Ich lernte, dass Trauma nicht nur im Kopf besteht, sondern im Körper gespeichert ist. Wir haben oft keinen bewussten Zugang dazu, weil frühe Traumatisierungen nicht im sprachlichen oder kognitiven Gedächtnis abgelegt werden, sondern im sogenannten somatischen Gedächtnis. Das bedeutet, dass unser Körper sich erinnert, auch wenn wir uns nicht erinnern können. Diese Erfahrungen durchdringen uns bis in die Muskulatur, die Faszien, die Knochen, bis in die tiefste Zelle. Und so reagiert der Körper oft lange, bevor der Verstand versteht, was gerade passiert.
Und vor allem habe ich gelernt, dass das nicht so bleiben muss. Das Wissen über Trauma und die Praxis der Achtsamkeit verbanden sich und wurden zu einer wunderbaren Unterstützung. Ich lernte, meine Zustände und mich mit Wohlwollen zu betrachten, verstand und erkannte, dass das, was ich in meiner Kindheit erlebt hatte, sich auf mich auswirkte, wie schwer es war. So konnte ich Mitgefühl und Wohlwollen für mich selbst entwickeln. Ich spürte, wie wichtig es ist, gut für mich zu sorgen. So habe ich endlich Sicherheit gefunden, immer mehr, im Außen, mit anderen Menschen und vor allem in mir selbst.
Begleitung oder Therapie?
Leider sind nicht alle Methoden traumasensibel, auch die Methoden der Traumatherapie nicht, sodass manche Menschen retraumatisiert entlassen werden. In der nichttraumasensiblen Begleitung fühlen wir uns oft unverstanden, nicht gesehen, unter Druck gesetzt, überfordert, anders, falsch, unsicher. Die Grundpfeiler der traumasensiblen Begleitung sind, dass die Menschen, die zu uns kommen, anerkannt, gesehen, mitfühlend und wohlwollend betrachtet werden. Sie fühlen sich ermächtigt, selbstbestimmt, unterstützt, und haben immer die Wahl.
Achtsamkeit, Respekt und Wertschätzung sind die Grundlagen meiner Begleitung.