Wenn uns für diesen Moment die inneren oder äußeren Ressourcen fehlen, um damit umzugehen. Trauma entsteht dort, wo unser Nervensystem keinen Weg mehr findet, das Erlebte zu verarbeiten. Es ist weniger das Ereignis selbst, sondern das Gefühl von Ohnmacht, Hilflosigkeit und innerer Überwältigung, das sich tief eingräbt.
In der körperorientierten Arbeit geht es darum, diese gebundene Energie behutsam zu lösen und dem Nervensystem wieder Zugang zu Sicherheit, Präsenz und innerer Balance zu ermöglichen. Schritt für Schritt entsteht so ein Gefühl von innerer Stabilität und Verbundenheit – ein sanfter Weg zurück zu dir.
Jede Erfahrung kann traumatisch werden, wenn sie uns so sehr überwältigt, dass unser Nervensystem keine Möglichkeit hat, das Geschehen zu verarbeiten. Wenn die für Kampf oder Flucht mobilisierte Energie nicht eingesetzt oder entladen werden kann, bleibt sie im Körper gebunden. Der Organismus bleibt dann innerlich im Alarmzustand, auch wenn die Situation längst vorbei ist.
Im September 2022 begann ich die Ausbildung zum Coach für Neurosystemische Integration®, ganzheitlich-integrative Traumaarbeit, bei Verena König. Ich lernte sehr viel über mich und konnte mich endlich mit anderen Augen sehen, mit Wohlwollen und Mitgefühl. Ich erfuhr, dass Schocktrauma, wie der Unfall meiner Tochter, alte Traumata reaktivieren kann. Das Gefühl, nicht ich selbst zu sein, neben mir zu stehen, bekam plötzlich einen Sinn. Ich lernte viel über innere Anteile, schwere Prägungen und Entwicklungs- und Bindungstrauma. Kindheitstraumata haben große Auswirkungen auf unser Leben als Erwachsene. Endlich verstehe ich diese Zustände, kann z.Bsp erkennen, dass ich unter emotionalen Flashbacks leide.
Trauma ist im Körper gespeichert, in unserem impliziten Gedächtnis, unbewusst und so nicht zugänglich. Aber jederzeit triggerbar, durch ein Geräusch, einen Geruch, eine Situation oder auch einfach morgens nach dem Aufwachen. Spürbar als Körpersymptome, Schmerzen oder Stimmungen und Abgeschlagenheit … eines meiner Überlebensmuster war die Fawn-Response, die Unterwerfungsreaktion. Mich anpassen, mich fügen, nett und freundlich sein und meine Bedürfnisse ganz hinten anstellen, um mehr oder weniger vermeintlich sichere Bindung zu erfahren.
Mich selbst, mein Nervensystem regulieren und beruhigen zu können, meine Ressourcen zu kennen, gab mir eine ungeahnte Freiheit. Ich lernte, mir diese Anteile und Muster anzuschauen, ohne vollkommen weggespült oder geflutet zu werden. Allein das Wissen darum hat mein Leben leichter gemacht. Der gute Grund: Im Kontext der Entstehung geben uns traumabasierte Verhaltensmuster Sicherheit und dienen als Schutzstrategie. Früher sinnvolle und hocheffektive Verhaltensmuster. Verurteile dich deshalb nicht dafür, es gibt immer einen guten Grund für dein Verhalten.